Verpackungslexikon

Folienstärke verstehen: µm, mm und die Auswahl von Verpackungsfolien

Kurz erklärt

Folienstärke und Foliendicke bezeichnen die Dicke einer Folie. Bei Verpackungsfolien wird sie häufig in Mikrometern (µm) angegeben: 1 µm entspricht 0,001 mm. Die verbreitete Schreibweise „my“ meint gewöhnlich dieselbe Einheit. Die Dicke ist ein wichtiges Auswahlmerkmal, beschreibt aber allein weder die Belastbarkeit noch die gesamte Qualität einer Verpackungsfolie.

Was bedeuten µm, my und mm?

µm ist das Einheitensymbol für Mikrometer, mm steht für Millimeter. Ein Millimeter enthält 1.000 Mikrometer. Die SI-Broschüre des BIPM definiert die Präfixe Mikro und Milli, aus denen diese Umrechnung folgt.

„My“ wird im Folienalltag gelegentlich für Mikrometer geschrieben oder gesprochen, ist aber kein offizielles SI-Einheitensymbol. Auch µ allein ist keine vollständige Einheit, sondern das Präfix „Mikro“. Für eine eindeutige Dickenangabe schreiben Sie beispielsweise 20 µm.

Die Umrechnung lautet:

  • µm in mm: Mikrometer durch 1.000 teilen.
  • mm in µm: Millimeter mit 1.000 multiplizieren.

Beispiel: 23 µm ÷ 1.000 = 0,023 mm.

Umrechnungstabelle: µm in mm

Folienstärke in µm Dicke in mm
17 µm 0,017 mm
20 µm 0,020 mm
23 µm 0,023 mm
25 µm 0,025 mm
50 µm 0,050 mm
100 µm 0,100 mm
200 µm 0,200 mm

Die Werte sind reine Umrechnungen. Sie bilden keine Klassen für leichte, mittlere oder schwere Packgüter und weisen keiner Folienstärke eine bestimmte Traglast zu.

Was sagt die Dicke über eine Folie aus?

Die Dickenangabe hilft, Folienabmessungen und Produktspezifikationen zu vergleichen. Bei ansonsten gleichen Folien kann sie eine relevante Auswahlgröße sein. Unterschiedliche Werkstoffe oder Folienaufbauten lassen sich jedoch nicht allein über ihre µm-Zahl als belastbarer oder hochwertiger einordnen.

Das Reiß-, Zug- und Durchstoßverhalten hängt zusätzlich unter anderem von Material, Rezeptur, Orientierung, Schichtaufbau, Herstellprozess und Beanspruchung ab. Für Reißfestigkeit gibt es deshalb eigene Prüfverfahren, beispielsweise das in ISO 6383-1 beschriebene Verfahren.

„Dicker ist immer reißfester“ ist keine verlässliche Auswahlregel. Ebenso wenig belegt eine Dickenangabe allein eine bestimmte Barrierewirkung, UV-Beständigkeit oder Lebensmittelkontakt-Eignung. Dafür sind die jeweiligen Produktangaben und Nachweise maßgeblich.

Wie wird Folienstärke gemessen?

Für belastbare Werte müssen Messverfahren, Messbedingungen und die konkrete Folie zusammenpassen. ISO 4593 beschreibt die Dickenbestimmung von Kunststofffolien und -bahnen durch mechanisches Abtasten. Für geprägte Folien und Bahnen ist dieses Verfahren laut Anwendungsbereich nicht geeignet.

Eine andere Herangehensweise ist die Bestimmung der mittleren Dicke aus Masse, Fläche und Dichte. Diesen gravimetrischen Ansatz beschreibt ISO 4591; er kann insbesondere bei Folien relevant sein, für die mechanische Abtastung nicht ausreichend genau ist.

Ein beliebiger Hand-Messschieber liefert daher nicht automatisch einen ausreichend genauen oder normgerechten Dickenwert. Auch ein einzelner Messpunkt beschreibt nicht ohne Weiteres die ganze Rolle. Wenn Sie Lieferwerte oder Messergebnisse vergleichen, achten Sie auf das angegebene Verfahren und darauf, ob ein lokaler Wert oder eine mittlere Dicke gemeint ist.

Nennstärke, Toleranzen und Typenangaben

Die Stärke im Datenblatt ist häufig ein Nennwert. Eine Angabe von beispielsweise 20 µm bedeutet nicht automatisch, dass die Folie an jeder Stelle exakt 20 µm dick ist. Welche Abweichungen zulässig sind und wie sie geprüft werden, ergibt sich aus der Produktspezifikation, dem Datenblatt oder einer anwendbaren Norm.

Für den Vergleich sind daher drei Angaben hilfreich: Nennstärke, zulässige Toleranz und Prüfverfahren. Eine allgemeine prozentuale Toleranz lässt sich nicht für alle Verpackungsfolien ansetzen.

Bezeichnungen wie Baufolie Typ 200 oder Typ 300 sind ohne konkrete Herstellerangabe ebenfalls nicht zuverlässig in µm umzurechnen. Maßgeblich ist die tatsächlich ausgewiesene Dicke in der jeweiligen Produktspezifikation, nicht die Typenzahl allein.

Verpackungsfolien passend auswählen

Die richtige Reihenfolge ist: Aufgabe klären, Folientyp wählen und anschließend vergleichbare Produktangaben prüfen.

  1. Einsatz bestimmen: Soll die Folie umhüllen, bündeln oder abdecken? Welche Belastungen und besonderen Kontaktbedingungen entstehen dabei?
  2. Material und Aufbau abgleichen: Vergleichen Sie nicht nur die Dicke, sondern auch den Werkstoff, mögliche Schichten und die für Ihre Anwendung ausgewiesenen Eigenschaften.
  3. Verarbeitung berücksichtigen: Rollenformat, Gerät und Prozess müssen zur Folie passen.
  4. Spezifikation vergleichen: Prüfen Sie Nennstärke, Toleranz, Messverfahren und die tatsächlich benötigten Leistungsangaben.

Bei der Auswahl von Stretchfolie kommen etwa Hand- oder Maschinenverarbeitung, Dehnung beziehungsweise Vordehnung, Rückstellkraft und Rollenkompatibilität hinzu. Die µm-Zahl allein beantwortet diese Fragen nicht.

Für kritische Anwendungen lassen Sie sich die Eignung der konkreten Folie anhand passender Produktdaten erläutern. So vergleichen Sie die benötigte Funktion statt nur eine möglichst hohe Dickenangabe.

Häufige Fragen

Mit „20 my“ sind gewöhnlich 20 µm gemeint. Das entspricht 0,020 mm. Für eindeutige Bestellungen und Spezifikationen verwenden Sie das korrekte Einheitensymbol µm.

Nicht anhand der Dicke allein. Material, Aufbau, Verarbeitung und ausgewiesene Eigenschaften müssen ebenfalls zum Einsatz passen. Dieselbe Dickenangabe ist kein Nachweis gleicher Leistung.

Nicht zwingend. Prüfen Sie zunächst, ob die Angabe ein Nennwert ist, welche Toleranz vereinbart wurde und mit welchem Verfahren geprüft wird. Erst mit diesen Angaben lässt sich eine Abweichung sinnvoll bewerten.

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