Paletten richtig stretchen: Anleitung für das Wickeln von Hand

Kurzfassung

Beim Stretchen werden Packstücke und Palette mit dehnbarer Folie zu einer Ladeeinheit verbunden. Entscheidend sind ein stabiler Aufbau, die Verbindung zur Palette und eine gleichmäßige Wicklung mit passender Spannung. Mehr Folie ersetzt keine tragfähige Basis. Eine fertige Stretchwicklung ist außerdem noch keine vollständige Ladungssicherung auf einem Fahrzeug.

Kartons auf einer Holzpalette, seitlich mit schwarzer Stretchfolie umwickelt

Vorbereitung: Palette, Packgut und Hilfsmittel

Beginnen Sie mit einer intakten, für die Last geeigneten Palette und einem stabilen Packaufbau. Beschädigte oder in ihrer Tragfähigkeit beeinträchtigte Paletten gehören nicht in den Wickelprozess. Die DGUV Regel 108-601 zum Umgang mit Paletten beschreibt diese Anforderungen an den Ladungsträger.

Legen Sie geeignete Handstretchfolie und einen dazu passenden Abroller beziehungsweise Griffe bereit. Bei der Auswahl von Stretchfolie und Verarbeitungshilfen müssen Rollenformat, Kern und Aufnahme zusammenpassen. Die Folienstärke in µm ist dabei nur ein Auswahlmerkmal, kein alleiniger Eignungsnachweis.

Prüfen Sie außerdem den Arbeitsplatz: Der Weg um die Palette muss frei sein. Trennen Sie den unmittelbaren Arbeitsbereich nach betrieblicher Regel vom Verkehr mit Flurförderzeugen. Planen Sie erforderlichen Kantenschutz und Schutz für empfindliche Packstücke vor dem Wickeln ein.

Palette von Hand stretchen: acht Schritte

Die folgende Schrittfolge beschreibt die praktische Grundarbeit. Die konkrete Ausführung stimmen Sie mit der verwendeten Folie, dem Packbild und der betrieblichen Wickelvorgabe ab.

  1. Arbeitsbereich und Hilfsmittel vorbereiten

    Stellen Sie die Palette auf eine ebene, tragfähige Arbeitsfläche. Entfernen Sie Hindernisse und lose Verpackungsreste aus Ihrem Laufweg. Prüfen Sie Folie und Abrollhilfe auf Eignung für die Aufgabe und ergänzen Sie benötigten Kantenschutz.

    Organisieren Sie den Ablauf so, dass Sie vorwärts mit Blick in Bewegungsrichtung arbeiten können. Die BAuA empfiehlt für manuelle Arbeitsprozesse unter anderem geeignete Hilfsmittel, ausreichenden Bewegungsraum und das Vermeiden unnötiger Kräfte und ungünstiger Körperhaltungen.

  2. Packgut stabil aufbauen

    Ordnen Sie die Packstücke mit tragfähiger Lastverteilung möglichst innerhalb der Palettenkontur an, soweit Produkt und Prozess dies zulassen. Korrigieren Sie lose, überstehende oder eingedrückte Packstücke vor dem Wickeln. Rollfähige Teile benötigen eine passende konstruktive Sicherung.

    Ein wackeliger Stapel wird nicht dadurch zu einer guten Ladeeinheit, dass er straff umwickelt wird. Die DGUV Information 208-048 zur Sicherung palettierter Ladeeinheiten zeigt unterschiedliche Lastformen und Sicherungsmethoden. Stretchfolie ist eine mögliche Komponente, aber nicht für jede Lastform allein ausreichend.

  3. Folienanfang sicher befestigen

    Befestigen Sie den Folienanfang an einem frei zugänglichen, dafür vorgesehenen Bereich der Palette oder des Ladungsträgers. Verwenden Sie nur eine betriebliche Methode, bei der kein Greifen unter die Last oder zwischen ungesicherte Packstücke erforderlich ist.

    Greifen Sie dafür nicht unter die Last oder zwischen ungesicherte Packstücke. Heben Sie die Palette zum Befestigen nicht an. Ein bestimmter Knoten ist keine allgemeine Pflicht: Die Befestigung muss zur Folie, Palette und Ladung passen.

  4. Ladung und Palette miteinander verbinden

    Erfassen Sie zunächst den unteren Lastbereich und binden Sie den geeigneten oberen Palettenbereich ein. Die Folie soll nicht nur die Kartons umschließen, sondern den Verbund zum Ladungsträger herstellen.

    Halten Sie die Gabelöffnungen nutzbar. Führen Sie die Folie nicht so tief oder lose, dass Gabeln sie beim Aufnehmen zwangsläufig durchstoßen oder herabhängende Bahnen hängen bleiben. Die Zahl der unteren Wicklungen richtet sich nach dem festgelegten Prozess, nicht nach einer pauschalen Lagenregel.

  5. Kontrolliert nach oben wickeln

    Gehen Sie vorwärts um die stehende Palette und halten Sie Ihren nächsten Schritt im Blick. Laufen Sie nicht rückwärts. Führen Sie die Rolle kontrolliert und möglichst körpernah.

    Arbeiten Sie spiralförmig nach oben. Überdecken Sie die vorherige Bahn so, dass keine unbeabsichtigten Lücken oder schwachen Zonen entstehen. Halten Sie die Spannung gleichmäßig: Die Folie soll den Verbund aufbauen, ohne Kartons sichtbar einzudrücken oder fortlaufend zu reißen.

  6. Oberen Bereich und gegebenenfalls Rückweg wickeln

    Binden Sie den oberen Lastbereich entsprechend Packbild und Wickelvorgabe ein. Wenn das vorgesehene Muster einen Rückweg umfasst, arbeiten Sie anschließend wieder nach unten.

    Eine Seitenwicklung deckt die Oberseite nicht automatisch ab. Feuchte-, Staub- oder Wetterschutz sind eigene Anforderungen; zusätzliche Wicklungen an den Seiten lösen sie nicht grundsätzlich.

  7. Folienende sauber sichern

    Trennen Sie die Folie nach betrieblicher Vorgabe und legen beziehungsweise fixieren Sie das Ende so, dass keine lose Folienfahne zurückbleibt. Vermeiden Sie Abreißbewegungen an scharfen Kanten. Für eingesetzte Schneidwerkzeuge gelten die vorgesehenen sicheren Arbeitsabläufe.

  8. Ergebnis vor der Weitergabe kontrollieren

    Prüfen Sie die fertige Einheit anhand dieser sichtbaren Punkte:

    • Palette intakt, Aufbau weiterhin formstabil und keine losen Packstücke?
    • Ladung und Palette erkennbar miteinander verbunden?
    • Keine unbeabsichtigten Lücken, Risse oder losen Bahnen?
    • Kartons nicht sichtbar zusammengedrückt, erforderlicher Kantenschutz vorhanden?
    • Gabelöffnungen frei nutzbar, ohne die Wicklung beim Aufnehmen planmäßig zu beschädigen?
    • Folienende gesichert und keine herabhängenden Reste?

    Wenn ein Punkt nicht passt, korrigieren Sie die Ursache vor dem nächsten Prozessschritt. Ein kurzes Rütteln oder Ziehen von Hand ist kein belastbarer Nachweis der Transportstabilität. Für kritische Ladeeinheiten gelten zusätzlich die betrieblichen Prüf- und Freigabekriterien.

Spannung und Überlappung richtig abstimmen

Die Folie wird kontrolliert gespannt, nicht „so straff wie möglich“. Lose Bahnen können den nötigen Verbund verfehlen; zu hohe Kraft kann empfindliche Kartons verformen. Wenn die Folie wiederholt reißt oder Packstücke nachgeben, stoppen Sie und prüfen Sie Folie, Kantenschutz, Aufbau und Handhabung.

Auch für die Überlappung gibt es keine universelle Prozentzahl. Die Bahnen müssen entsprechend der vorgesehenen Wicklung zusammenwirken, ohne unbeabsichtigte offene Zonen zu lassen. Wie viel Überdeckung, Verstärkung und Rückweg benötigt werden, hängt von Lastform, Folie und erprobtem Prozess ab.

Für wiederkehrende Aufgaben ist eine dokumentierte Wickelvorgabe hilfreich: gleichartiger Packaufbau, festgelegte Folie und ein nachvollziehbarer Wickelweg. So lassen sich Ergebnisse und Verbrauch sinnvoll vergleichen.

Fehler erkennen und beheben

Beobachtung Mögliche Ursache oder Folge Abhilfe
Beschädigte Palette oder instabiler Stapel wird umwickelt Folie ersetzt keine tragfähige Basis. Arbeit stoppen; Ladungsträger beziehungsweise Packaufbau korrigieren.
Nur die Kartons sind umwickelt Der Verbund zur Palette fehlt. Unteren Bereich korrigieren und Palette an geeigneter Stelle einbinden.
Folie liegt im Gabelweg oder hängt herunter Beim Handling drohen Durchstoßen, Aufreißen oder Hängenbleiben. Wickelposition und Abschluss korrigieren; Gabelzugang freihalten.
Bahnen sind locker oder zeigen offene Zonen Spannung oder Wickelführung sind ungleichmäßig. Wicklung korrigieren; Folie, Abroller und Technik prüfen.
Kartons werden zusammengedrückt Spannung, Packmittel oder Folienkombination passen nicht. Wicklung stoppen und die Kombination aus Aufbau, Schutz und Spannung neu bewerten.
Folie reißt wiederholt an Kanten Kanten oder Beanspruchung überfordern die konkrete Ausführung. Ursache, Kantenschutz und Folieneignung prüfen; nicht nur weitere Lagen ergänzen.
Verbrauch schwankt stark Lastbilder oder Vorgehensweisen unterscheiden sich. Vergleichbare Ladeeinheiten und Abläufe dokumentieren; Wiederholprozesse bewerten.
Fertige Palette wird nur kurz angeruckelt Die Handprobe bildet Transportbedingungen nicht verlässlich ab. Sichtkontrolle mit den festgelegten Prüf- und Freigabekriterien verbinden.

Wie viel Stretchfolie braucht eine Palette?

Eine feste Meterzahl wäre ohne Angaben zur Ladeeinheit und zum Prozess wenig hilfreich. Den Verbrauch beeinflussen insbesondere:

  • Umfang und Höhe der Ladung;
  • Folienbreite und tatsächliche Überlappung;
  • Wickelweg und erforderliche Verstärkungsbereiche;
  • Dehnung beziehungsweise Vordehnung;
  • Lastform, Kanten und Stabilitätsanforderungen;
  • Hand- oder Maschinenverarbeitung.

Ermitteln Sie einen Betriebswert an mehreren vergleichbaren, freigegebenen Ladeeinheiten. Halten Sie Folie und Vorgehen gleich und dokumentieren Sie den tatsächlichen Rollenverbrauch. Vergleichen Sie dabei geeignete Wicklungen miteinander: Weniger Folie ist kein Vorteil, wenn der benötigte Verbund nicht erreicht wird.

Wann ist eine Maschine sinnvoll?

Bei regelmäßig wiederkehrenden Paletten und körperlich belastendem Handwickeln lohnt sich eine betriebliche Bewertung des Ablaufs. Eine Maschine kann eine andere Prozessgestaltung ermöglichen; die Entscheidung hängt von Arbeitsmenge, Ladeeinheiten, Platz und Materialfluss ab.

Maschinenfolie muss zum Abgabe-, Brems- oder Vorrecksystem und zum vorgesehenen Programm passen. Übertragen Sie die Handanleitung deshalb nicht unverändert auf eine Maschine. Auch Minirollen für kleinere Packstücke und Bündel ersetzen nicht automatisch eine reguläre Palettenwicklung.

Ladeeinheit und Fahrzeug-Ladungssicherung trennen

Beim Stretchen verbinden und stabilisieren Sie Packstücke und Palette für das Handling und die folgenden Prozessschritte. Beim Fahrzeugtransport muss zusätzlich geklärt werden, wie diese Einheit auf dem konkreten Fahrzeug gesichert wird.

§ 22 StVO verlangt, dass Ladung einschließlich Sicherungsmitteln auch bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutscht, umfällt, rollt oder herabfällt. Eine Stretchwicklung allein ist kein pauschaler Nachweis, dass diese Anforderung erfüllt ist.

Planen Sie die Fahrzeug-Ladungssicherung daher gesondert nach Fahrzeug, Ladung, Sicherungsmitteln und betrieblichen Vorgaben. Eine optisch sauber gewickelte Palette beantwortet diese Aufgabe noch nicht.

Häufige Fragen

Prüfen Sie zuerst die Ursache. Ein fehlender Palettenverbund, ein instabiler Stapel oder ungeeignete Folie werden durch zusätzliches Material nicht automatisch behoben. Korrigieren Sie Aufbau oder Prozess und kontrollieren Sie das Ergebnis erneut.

Nur auf entsprechend vergleichbare Ladeeinheiten und Abläufe. Andere Abmessungen, Kanten, Folienbreiten oder Wickelwege verändern den Bedarf. Dokumentieren Sie den Verbrauch zusammen mit den Bedingungen, unter denen er ermittelt wurde.

Nein, daraus folgt kein verlässlicher Regenschutz. Oberseite, Übergänge und mögliche Beschädigungen müssen für den geforderten Schutz gesondert betrachtet werden.